News

Energie

Einen kühlen Kopf behalten ist immer gut – selbst wenn es um ein in mehrfacher Hinsicht „heißes“ Thema wie die Solarenergie geht. Immer wieder war in den vergangenen Monaten zu hören, die Photovoltaikanlage auf dem Hausdach lohne sich doch nicht mehr, weil die Förderung für den Solarstrom stark zurückgefahren wurde. Zwar stimmt es, dass die garantierte Vergütung für den ins Netz eingespeisten Solarstrom Monat für Monat sinkt, doch: „Wer auf seinem Dach optimale Bedingungen hat, kann mit einer Photovoltaik-Anlage immer noch gute Renditen erwirtschaften“, meint Birgit Holfert, Energieexpertin vom Verbraucherzentrale Bundesverband, „es muss heute nur
genauer kalkuliert werden als noch vor einigen Jahren.“ Um die Rendite allein geht es den meisten Hausbesitzern und Bauherren ohnehin nicht, wenn sie eine Photovoltaikanlage installieren. Viele Familien möchten vor allem unabhängig vom Energielieferanten werden und den garantiert sauberen und klimafreundlichen Strom vom Hausdach am liebsten gleich im eigenen Haushalt nutzen. Mehr als 60 Prozent der Hausbesitzer haben sich laut einer aktuellen Umfrage schon einmal nach einer Eigenstromlösung erkundigt. Damit liegen sie genau richtig, meint Verbraucherschützerin Holfert: „Je höher der Eigenverbrauch, desto besser“, lautet ihr Rat an alle, die sich für Solaranlagen interessieren.


Eine simple Rechnung belegt diese Einschätzung. Inzwischen sind die Preise für Photovoltaikanlagen so weit gefallen, dass es nur noch etwa 12 bis 13 Cent kostet, eine Kilowattstunde Solarstrom zu produzieren. Beim Stromversorger bezahlt man dafür im Durchschnitt 27 bis 28 Cent – das bedeutet eine Ersparnis von rund 15 Cent für jede Kilowattstunde Strom, die direkt vom Dach in die Stromversorgung des Haushalts fließt. In der Vergangenheit scheiterte ein optimaler Eigenverbrauch von Solarstrom vor allem daran, dass Angebot und Nachfrage zeitlich nicht zusammenpassten. Selbst mit einem bewussten Energiemanagement im Haushalt – zum Beispiel, indem man Verbraucher wie die Waschmaschine startet, wenn die Mittagssonne am Himmel steht – ließen sich bestenfalls 20 Prozent des erzeugten Eigenstroms selbst verwenden. Der Großteil floss ins öffentliche Stromnetz. Dank des technischen Fortschritts ist es nun möglich, den Photovoltaikstrom vor Ort zu speichern, bis er tatsächlich gebraucht wird. Inzwischen gibt es eine Reihe von Batteriespeichern auf dem Markt, die auch für Einfamilienhäuser geeignet sind. Zwar sind die Solar-Akkus noch recht teuer – je nach Größe und Technologie gibt es sie ab 10.000 Euro – doch mit steigender Stückzahl dürften sie in den nächsten Jahren deutlich günstiger werden. Immerhin fördert die staatliche KfWBank die Installation der Speicher mit zinsgünstigen Darlehen und Tilgungszuschüssen. Die privaten Speicher entlasten nämlich auch die im Zuge der Energiewende immer stärker beanspruchten Stromnetze. Mit einem Batteriespeicher lässt sich der Eigenanteil am Stromverbrauch auf rund 60 Prozent steigern. Doch es geht noch besser, indem man zum Beispiel den Solarstrom auch zur Wärmeversorgung des Hauses einsetzt. Zwar galt Heizen mit hochwertiger elektrischer Energie lange Zeit als Tabu – das war nicht zuletzt eine Nachwirkung des „Traumas“ der teuren, ineffizienten Nachtspeicherheizung der 1960er und 1970er-Jahre. Doch inzwischen haben sich die Voraussetzungen grundlegend gewandelt: Sonnenstrom ist günstig und umweltfreundlich, und mit der Wärmepumpe wird Unabhängigkeit beim Thema Wärme ebenso möglich wie beim Strom. Das ist erfreulich, gerade in Zeiten der Verunsicherung, was die Gasversorgung in der Zukunft angeht. Auch bei der Anbindung einer Wärmepumpe an die Solarstromversorgung ist eine Zwischenspeicherung der Sonnenenergie notwendig, denn geheizt wird vorwiegend dann, wenn die Sonne nicht scheint. Als Alternative zum Batteriespeicher bietet sich hier folgendes System an: Der Sonnenstrom vom Dach versorgt zunächst alle eingeschalteten elektrischen Geräte. Fällt mehr Strom an, als dafür nötig ist, wird die Energie für die Warmwasserbereitung genutzt. Die gerade nicht benötigte Wärme wird in einem möglichst großen Pufferspeicher mit möglichst 1000 Litern oder mehr „zwischengelagert“, bis sie bei Bedarf ins Warmwasser- oder Heizungssystem geleitet wird. Für diese Lösung ist allerdings entsprechend Platz zum Beispiel im Heizungskeller oder Hauswirtschaftsraum notwendig.