Effiziente Heiz- und Kältetechnik und ein neuer Chorsaal für einen historischen Kirchenbau
Mit dem „Forum am Dom“ entstand neben dem Osnabrücker Dom ein neues kirchliches und kulturelles Zentrum. Der denkmalgeschützte, sanierte Altbau gewann an Fläche und bekam eine Kühlung, trotzdem stieg sein Energieverbrauch nicht. Der Grund: eine klug durchdachte Gebäudetechnik mit einem effizienten Wärme- und Kältekonzept.
Die Energieversorgung ihrer Liegenschaften belastet das Budget vieler Kirchengemeinden. So erging es auch der Domgemeinde Osnabrück. Beim Um- und Ausbau des Diözesanmuseums und des Seelsorgeamts zum Domforum setzte die Gemeinde deshalb auf effiziente Heiz- und Kältetechnik, die behutsam in das denkmalgeschützte Gebäude eingefügt wurde.
Wie man bei der energetischen Sanierung von Kirchen vorgeht, wurde im Auftrag der Domgemeinde zuvor anhand einer Studie erprobt. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für den Umbau, die erarbeiteten Methoden und Herangehensweisen in der Gebäudetechnik lassen sich aber auch auf andere Liegenschaften übertragen.

Der denkmalgeschützte Bestand mit neuer Technik
Seelsorgeamt und Diözesanmuseum bilden zusammen das Domforum, das sich zum Domplatz hin öffnet. Es umfasst einen Info-Schalter, ein Café, Büros, Gruppen- und Veranstaltungsräume. Vom Foyer gelangt man ins Diözesanmuseum, das in einen anderen Gebäudetrakt verlegt und neu gestaltet wurde. Im Hinterhof entstand ein Chorsaal, den eine ellipsenförmige Kupferfassade umhüllt.
Gebäudetechnik klug integriert
Um die Räume des denkmalgeschützten Altbaus nicht zu sehr zu verändern, wurde die Heiz- und Kältetechnik unauffällig integriert. „Im Museum haben wir die Wände frei von Heizkörpern gehalten, so bleibt mehr Ausstellungsfläche“, sagt Diplom-Ingenieur Klaus Steinkamp vom pbr Planungsbüro Rohling aus Osnabrück. Eine 400 Quadratmeter große Wandheizung und eine Lüftung mit Be- und Entfeuchtung sichern ein gleichmäßiges Raumklima von 21 Grad und 50 Prozent Luftfeuchte.

Die zuvor auf mehrere Gebäudeflügel verteilte Heiztechnik fasst nun eine rund 50 Quadratmeter große Energiezentrale zusammen. Sie besteht aus drei Gas-Absorptionswärmepumpen mit je 35 kW Heiz- und 12 kW Kälteleistung, einem 400 kW-Gas-Brennwertkessel und der Regeltechnik. „Das alles auf so engem Raum unterzubringen, war eine Herausforderung“, sagt Thomas Mielke vom °celseo-Fachbetrieb Wilhelm Ahlers.

Wärme- und Kältetechnik im Verbund
In der Studie wurden verschiedene Varianten der Wärme- und Kälteversorgung verglichen. Da der Wärmebedarf des Gebäudes deutlich größer ist als der Kühlbedarf, entschied man sich für eine Wärme-Kälte-Verbundlösung: 20 bis 50 Meter tiefe Erdsonden versorgen die Wärmepumpen im Winter mit Erdwärme und im Sommer mit Erdkälte. „Die im Sommer überschüssige Wärme wird ins Erdreich gepumpt, zwischengelagert und im Winter herausgeholt“, erläutert Klaus Steinkamp.
Für die Spitzenheizlast im Winter steuert der Gasbrennwertkessel Wärme bei. Über unterirdische Lüftungskanäle gelangt die warme Luft in den Kirchenraum. In den Wintermonaten wird die Temperatur im Inneren auf 17 Grad gehalten. Nur bei Außentemperaturen unter null darf die Temperatur auf 13 Grad fallen, da die Besucher dann wärmer bekleidet sind. So konnte die Spitzenleistung des Kessels deutlich niedriger angesetzt werden.
Fazit: Obwohl das Gebäude durch den Chorsaal an Fläche gewann und überhaupt erst eine Kühlung bekam, stieg der Energieverbrauch dank effizienter Wärme- und Kältetechnik nicht an.